Anmerkung des Autors: im folgendem ist das “du” ist ein allgemeines du
Antitrotzdem Frieden
Obwohl du ein Individuum sein magst,
Bist du vielmehr ein Element der GesellschaftDu bist beides, aber du erlaubst gesellschaftliche Werte dein eigenes Empfinden zu beherrschen.
Wenn du mir gegenüber stehst,
siehst du mich trotzdem nicht.Du denkst vor allem
an die Gesellschaft
in deinem Hinterkopf,
die dein Individuum
und deine individuelle
Freiheit unterdrückt.Und damit gibst du dich
zufrieden.
HG:
Ich möchte dir fast in allem zustimmen und will dir auch gerne meine Gedanken dazu mitteilen.
Sag mir aber bitte erst mal, was für dich Gesellschaft ist.
Damit wir nicht aneinander vorbeireden.
NMW:
Gesellschaft ist (in diesem Text zumindest) im Kopf. Es ist ein Phänomen, welches bedrückt — wie Terrorismus. Hat nicht ein Dichter ein Theaterstück “Jedermann” geschrieben? — nie gesehen, aber bestimmt ähnlich.
Aber Gesellschaft is auch real, insofern als die Anerkennung vom Ideal namens “Gesellschaft” in jedem Kopf in der Propaganda verwendent wird… z.B. in jedem Satz, in dem das Wort “man” vorkommt, oder in der Gewissheit, dass die Nachrichten gerne Schreckensmeldungen verbreiten.
Letzendlich ist Gesellschaft das Gemüt, zu dem sich das Individuum gesellt — insofern ist es eine Ausrede, um nicht selber zu seiner eigenen Einstellung Verantwortung zu tragen. Die Verantwortung wird auf die Gesellschaft projeziert, sodass das Individuum für die eigenen Handlungen sich nicht selber verantwortlich fühlen braucht.
Diese Dinge sind aber alle nur Bauchgefühl — ich habe eigentlich nicht richtig darüber nachgedacht.
HG:
Vielleicht war die „Gesellschaft“ ursprünglich mal der Zusammenhalt von Gesellen, die gemeinsam etwas erreichen wollten oder sollten, z.B. auch die Spießgesellen.
Gesellen, die etwas Gemeinsames machen.
Dieses Gemeinsame kann sich aber auch gegen andere richten (Spießgesellen) auch gegen bisher bestehende gesellschaftliche Verhältnisse.
Marx nannte die Gesellschaft die „Gesamtheit der Verhältnisse zwischen den Menschen“ und forderte, diese zu verändern.
Niklas Luhmanns hat sich vor allem mit der Kommunikation beschäftigt, welche die Gesellschaft humanisieren soll.
Soziologisch verstehe ich Gesellschaft als (mehr oder weniger große Zahl von) Personen, die politisch, wirtschaftlich und sozial miteinander und gegeneinander agieren.
Und tatsächlich können manche auf Grund von Macht, die sie haben oder an sich reißen mehr agieren als andere bis hin zum Beherrschen, Unterdrücken oder sogar Vernichten von Menschen.
Gesellschaftskritisch zu sein heißt, Kritik an der Gesellschaft überhaupt zu üben (was mir undifferenziert erscheint) oder an gesellschaftlichen Teilbereichen, an Missständen aller Art, die man ändern, abschaffen oder revolutionieren möchte. Gesellschaftskritik ist m.E. immer ideologisch eingefärbt.
Wenn man alle in einem Raum vereinten Menschen als Gesellschaft nimmt, ist es sicher der allgemeinste Begriff.
Wenn ich negative Affekte gegen eine oder „die Gesellschaft“ habe, fühle ich mich von „ihr“ ausgeschlossen. Dann wird Gesellschaft oft empfunden wie eine Art „Großer Bruder“ oder wie eine übermächtige Familie die nur Blödsinn macht, gegen den man sich nicht wehren kann, gegen die man hilflos ist.
Der Weg daraus ist, sich gesellschaftsverändernd zu profilieren. Das beginnt mit Selbstreflexion und der eigenen Veränderung und Veränderungen im eigenen unmittelbaren sozialen Umfeld, auch der Familie.
Blindwütiges Gesellschaftsverändern ohne Nachdenken über sich selbst und ohne konstruktive Gestaltung der unmittelbaren sozialen Umgebungsverhältnisse führt zu Amokläufen, Gewalt, Terror oder Selbstmord.
Das heißt der Mensch muss sich zu einer konstruktiven Gesellschaftsveränderung qualifizieren und bemühen.
Ja, Gesellschaft ist im Kopf, bildet sich über die Erfahrungen die wir mit ihr machen, kognitiv und emotional. Die Erlebnisse bilden sich repräsentational in unserm Gehirn und in unserem Seelenleben ab. Das kann auch dazu führen, dass wir zum “Jedermann” werden.
Ja, Gesellschaft ist auch real, und wirkt in Form von Ideologiesystemen oder Ideologie-Versatzstücken, in Form von Propaganda, Manipulation, Terror … ständig auf uns ein.
Ja, Gesellschaft ist auch Ausrede, Projektions- und Zielfigur für Protest und Unzufriedenheit, auch Erklärungsmodell für eigene Gemütsverfassungen und die infantile Pflege der eigenen Unschuld. Es gab bei den Grünen eine starke Fraktion, die immer nur Opposition bleiben und immer nur protestieren aber nie politische Verantwortung übernehmen wollte.
NMW:
Ich habe gestern abend noch daran gedacht, dass m.E. Gesellschaft ziemlich mit der Gesamtheit aller, die eine “Sprache” sprechen/verstehen/u.s.w. ziemlich identisch ist.
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